2016/17 Omnes una gaudeamus (mit Erläuterungen)

Folgende Aufnahme entstand Anfang Februar 2017 in der Heiliggeistkirche in Mannheim und ist das Ergebnis eines einsemestrigen Gehörbildungskurses (1 Stunde pro Woche). Der Fließtext unterhalb des Videos enthält kurze Erläuterungen zu den verschiedenen Improvisations-Modellen, die im Film zur Anwendung kommen.

Carol: OMNES UNA GAUDEAMUS

"Dezimen-Gymel um C.F."
Damit der Dezimen-Gymel der Kontrapunkt-Stimme besser folgen kann, beschränkt sich diese ausschließlich auf melodische Schrittbewegungen ohne Sprünge. Jeweils auf Handzeichen der Kontrapunkt-Sängerin schreitet der C.F. zum nächsten Ton. Um unerwünschte Parallelen zu vermeiden, muss der Kontrapunkt in Gegen- oder Seitenbewegung zum C.F. fortschreiten.

Kanons (Oberquinten und unisono)
Die Vorsängerin bzw. der Vorsänger kann den gegebenen Melodieverlauf nicht unverändert übernehmen, sondern muss ihn entsprechend den für den Kanon möglichen Intervallfolgen anpassen. Mit Handzeichen gibt er an, welche Klausel (Tenor- oder Diskant-Klausel) er zur Schlussbildung singen wird. Entsprechend hält eine Stimme den künftigen Schlusston, wartet auf die Dissonanzreibung und bildet dann die Diskantklausel (7-1). Die andere Stimme improvisiert zum liegenden Ton und »landet« auf dem vorletzten Ton (»penultima«) der Tenorklausel (2-1).

"Fauxbourdon à la française"
In dieser Ausführung entstehen fortwährend Quintparallelen zwischen den beiden Oberstimmen. Würden diese vertauscht, wären es die beim Fauxbourdon üblichen Quartparallelen. Wir haben uns aufgrund der Stimmlage für die Quint-Variante entschieden. Die Mittelstimme kann ihre Obersexten zusätzlich verzieren und vereinzelt auch Oberquinten oder Oberoktaven sowie natürlich 7-6-Vorhaltsbildungen einbauen.

Vierst. Kontrapunkt
Sopran: C.F.
Alt: Unterterzen-Gymel
Tenor: abwechselnd Untersexten-Unterquinten zum C.F. (6–5-Satz = oktavierter 3–4-Satz)
Bass: abwechselnd Unterterzen-Unterquinten zum C.F. (3–5-Satz)

Im Klangresultat entstehen so immer "Dreiklänge" in Grundstellung. Der Bass muss stets zwischen Terz und Quint abwechseln und dabei darauf achten, die Bassklausel (5-1) für das Phrasenende richtig »einzufädeln«. Allerdings sind auch unkonventionellere, »poppige« Schlussbildungen möglich, wie z.B. ganz am Ende des Stücks zu hören ist. Die Bassstimme entscheidet auch, welches Intervall der Tenor zu singen hat. Dieser muss also stets auf den Bass hören und sein Intervall darauf abstimmen.